Stefan - Faszination Suedostasien
Stefan - Faszination Suedostasien

Die Weltstadt Bangkok ist bekannt für ihre multikulturelle Vielfalt. Ob Chinatown, Little India oder das arabische Viertel – Besucher schätzen das besondere Ambiente, die köstlichen Speisen und die Vielzahl an Sehenswürdigkeiten. Ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis ist ein Spaziergang durch das portugiesische Viertel im Stadtteil Thonburi.

Bangkok ist meine Lieblingsstadt und seit Jahren komme ich immer wieder hierher. Was für mich zu einem Besuch einfach dazu gehört, ist eine Fahrt auf dem Chao Phraya: Der Fluss mit den unzähligen Booten ist nicht nur die Lebensader der Metropole, er ist auch ihre Trennlinie. Auf der östlichen Seite schießt ein Wolkenkratzer nach dem anderen aus dem Boden. Hier befinden sich die meisten der bekannten Sehenswürdigkeiten wie der Königpalast, Wat Pho oder der Chatuchak-Markt. Und fast alle Touristen übernachten zum Beispiel an der Sukhumvit, in Silom oder rund um die Khao San Road.

Das Westufer des Chao Phraya ist für die meisten Bangkok-Besucher hingegen unbekanntes Terrain. Oft bleibt es bei einer kurzen Besichtigung des Wat Arun oder der Shoppingmall Icon Siam, bevor sie wieder zurück auf „ihre“ Seite des Flusses fahren. Dabei findet sich am Ostufer im Stadtteil Thonburi viel vom ursprünglichen Bangkok, es geht ruhiger und gemächlicher zu und bisweilen hat man das Gefühl, hier sei die Zeit ein wenig stehengeblieben.

Kudichin – unbekanntes Bangkok

Heute besichtige ich das portugiesische Viertel in Thonburi. Ich war bisher nie dort, was erstaunlich ist, denn schon oft bin ich daran mit dem Boot vorbeigefahren. Es befindet sich zwischen der Memorial Bridge und dem Wat Arun.

Dort erheben sich entlang des Flussufers nicht nur Tempel, sondern auch der Turm der Santa-Cruz-Kirche. Sie ist das markanteste Gebäude des portugiesischen Viertels, das bei Einheimischen den Namen Kudichin bzw. Kudeejeen trägt. Doch wie kommt Bangkok überhaupt zu einem solchen Viertel?

Im 18. Jahrhundert ließen sich hier portugiesische Seefahrer nieder, Portugal war der erste europäische Staat, der Handelsbeziehungen mit dem damaligen thailändischen König aufnahm. Weil die Portugiesen ihn im Kampf gegen die Burmesen unterstützten, erhielten sie zum Dank Land am Flussufer.

Start am Morgen

Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich mich auf den Weg. Bereits vom Boot aus sehe ich die große weiße Chedi des Wat Prayoon, die mich an Tempel in Sri Lanka erinnert. Auf der Anlage gibt es einen Schildkrötenteich mit einem Berg, der aus dem Wasser ragt, und auf dem wiederum kleine Tempel errichtet worden sind. So etwas habe ich auf einer Tempelanlage bisher auch noch nicht gesehen. Als dann plötzlich künstlicher Nebel aufzieht, ist die Überraschung perfekt. Andere Touristen sehe ich keine, dafür aber viele Thais, die hierherkommen und die Schildkröten füttern.

Die Chedi, die in strahlendem Weiß in den Himmel ragt, ist begehbar. Über eine steile, schmale Treppe gelange ich auf ein Plateau, von wo aus eine Tür ins Innere führt. Dort stehen einige goldene Buddha-Figuren. Ein freundlicher Mönch klärt mich über deren Bedeutung auf. Bevor ich wieder hinuntersteige, genieße ich für ein paar Minuten die Aussicht auf die Anlage und die Skyline von Bangkok.

Faszinierende Glasmalerei

Im Anschluss an den gelungenen Start der Tour erreiche ich nach ein paar Minuten Fußweg die Santa-Cruz-Kirche. Im 18. Jahrhundert wurde die römisch-katholische Kirche, deren Name „heiliges Kreuz“ bedeutet, aus Teakholz erbaut. Nach einem Brand folgte der Wiederaufbau und sie erhielt ein Dach aus roten Ziegelsteinen. Vor dem Gebäude stehen zudem einige Statuen mit christlichen Figuren.

Christliche Kirchen sind eine Seltenheit in Thailand, doch nicht nur deshalb ist sie sehenswert. Am schönsten finde ich die Glasmalereien auf den Kirchenfenstern. Da in diesem Moment die Sonne auf die Fenster scheint, leuchten die Farben besonders bunt.

Zeit für eine Stärkung

„Viel trinken“ ist ein guter Tipp bei den meist hohen Temperaturen in Bangkok. Daher nehme ich einen großen Schluck Wasser aus meiner Flasche und merke, dass ich auch schon wieder Hunger habe. Passenderweise befindet sich in Sichtweite der Kirche eine Bäckerei, der ich – dem Duft folgend – direkt einen Besuch abstatte.

Das portugiesische Viertel hat eine kulinarische Besonderheit zu bieten. Sie trägt den Namen Kanom Farang Kudeejeen. Dabei handelt es sich um einen Kuchen in Form eines Cupcakes.

Hergestellt wird er in kleinen Bäckereien von drei Familien, die das Rezept seit über 100 Jahren von Generation zu Generation weitergeben. Der Teig wird aus Mehl, Zucker und Entenei gefertigt, als Belag werden Kürbis und Rosinen verwendet. Bei der Zubereitung meiner Bestellung darf ich zuschauen. Gebacken wird auf Holzkohle und bereits nach wenigen Minuten halte ich den Snack in den Händen.

Wie in einer anderen Welt

Nach der freundlichen Verabschiedung laufe ich weiter ins portugiesische Viertel hinein. Hier lassen sich alle Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß erreichen. Die meisten Gassen des Viertels sind so eng, dass dort keine Autos fahren. Zudem spenden die Häuser Schatten.

Was mich besonders fasziniert ist die Ruhe. Kaum ein Geräusch ist zu vernehmen und eine Katze rekelt sich faul auf einer Mauer. Ist das dieselbe pulsierende Weltstadt, in der ich gestern eine gefühlte Ewigkeit im Stau gestanden habe?

Nur wenige Minuten sind es zu Fuß von der Bäckerei bis zu einem aus Teak-Holz erbautem viktorianischen Thai-Haus. Es stammt aus der Zeit von König Chulalongkorn (Rama V).

Eine ältere Frau führt mich ins Innere, wo eine Vielzahl historischer Fotos und gut erhaltener Antiquitäten an vergangene Zeiten erinnert. Auf einem Sofa sitzend lausche ihrem Vortrag, erfahre viel über die Geschichte des Viertels und bekomme interessante Einblicke in das Leben der Menschen hier.

Ich hätte glatt noch etwas länger auf dem bequemen Sofa sitzen können, doch die frisch gewonnenen Eindrücke werden nun vertieft. Denn vom Jantanaphap Thai House sind es nur ein paar Schritte bis zum Baan Kudichin Museum.

Erstaunliche Erkenntnisse

Anhand von Informationstafeln, Fotos und jeder Menge antiker Gegenstände wird die Geschichte der Portugiesen in Bangkok von damals bis heute erklärt. Dazu gehören Dokumente, Kleidungstücke und Waffen aus dem 18. Jahrhundert. Fotos und Gemälde erinnern an historische Ereignisse. Es gibt Bilder von alten Schiffen und Karten mit Seerouten, auf denen die Portugiesen einst von Europa nach Thailand segelten.

Während ich in weniger als zwölf Stunden von Deutschland nach Bangkok geflogen bin, waren die Entdecker von einst Wochen unterwegs. Und was mich wirklich überrascht: Sie waren es, die vor langer Zeit die Chilischote und die Papaya nach Thailand brachten. Bei meinem nächsten Papaya-Salat werde ich ihnen innerlich Danke sagen.

Nach einem kühlen Getränk im Café im Untergeschoss laufe ich zurück zum Chao Phraya River und beobachte ein wenig die vielen Boote, die vorbeituckern.

Handwerkskunst

Mein nächstes Ziel ist der sehenswerte und direkt am Ufer des Flusses gelegene Kian-Un-Keng-Schrein, der in wenigen Minuten zu Fuß vom Museum zu erreichen ist. Dabei handelt es sich um ein altes chinesisches Tempelhaus, das der Göttin der Barmherzigkeit, Guanyin, gewidmet ist.

Der Schrein, einer der ältesten seiner Art in Thailand, beeindruckt mich durch detaillierte Schnitzereien in Wänden, Türen und Fenstern sowie faszinierende bunte Gemälde. Ein Teil der Malereien wird heute restauriert. Ich beobachte einen jungen Mann, wie er die verblassten Farben eines Bildes in Feinarbeit mit kleinen Pinseln zu neuem Leben erweckt.

Direkt nebenan liegt das Wat Kanlayanamit. Die große Tempelanlage am Flussufer, die ab dem Jahr 1825 erbaut wurde, ist nicht zu übersehen. Trotzdem ist der Tempel bei Touristen kaum bekannt und auch ich habe ihn bisher nur von der Fähre aus gesehen.

Ein riesiger Buddha

Verpasst hatte ich dadurch bis heute den größten sitzenden Buddha Bangkoks. Als ich barfuß ins Tempelinnere trete, komme ich mir mit meinen fast zwei Metern Körpergröße richtig klein vor, denn die goldene Figur ist sage und schreibe 16 Meter hoch.

Einige Thais sind zum Beten hier und ich lasse die Atmosphäre ein paar Minuten auf mich wirken.

Mix der Kulturen

Weiter geht es zur letzten Station meiner Tour. Ziel ist die Bang Luang Moschee, die ebenfalls für die multikulturelle Vielfalt des Viertels steht.

Ich laufe durch ein paar kleine Gassen, werde freundlich gegrüßt und stehe dann vor dem über 200 Jahre alten Gebäude. Es ist nicht besonders groß und als Bauwerk eher bescheiden verglichen mit anderen Moscheen, die ich in der Vergangenheit besichtigt habe. Und doch ist es sehenswert, denn die Bauweise vermischt Elemente aus verschiedenen Kulturen. Die Moschee gilt sie als weltweit einzige, die im „Thai-Stil“ erbaut wurde.

Nach der Besichtigung der Moschee fahre ich zurück zum Hotel. Schnell duschen und dann ab zur Thai-Massage.Abends bestelle ich mir am Straßenstand ein grünes Curry und einen Papaya-Salat – scharf und köstlich. Ich esse beide Teller leer – das viele Laufen hat mich hungrig gemacht – und danke innerlich den Seefahrern von einst für Papaya und Chili-Schoten.

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