Auf Schienen zum Glück

Auf Schienen zum Glück

Manchmal ist auch schon der Weg das Ziel. Für meine nächste Reise in den Süden Thailands möchte ich etwas Neues ausprobieren: eine Nachtfahrt im Schlafwagen der thailändischen Staatsbahn. Das Ziel ist Trang, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, südlich von Krabi an der Andamanensee.

Ich bin ziemlich aufgeregt. Trang zählt zu den bisher noch wenig beachteten Regionen Südthailands. Das wundert mich, denn die 200 Kilometer lange Küste, mit dutzenden vorgelagerten Inseln, wirkt auf mich wie eine Traumdestination. Die Bilder, die ich bisher sah sind atemberaubend schön und sehr vielversprechend. Also nichts wie hin!

Das Abenteuer beginnt am späten Nachmittag im Bangkoker Bahnhof „Hua Lamphong“. Nachdem ich mich aus dem Gewusel der U-Bahn befreie, stehe ich endlich mitten im historischen Bahnhofsgebäude. Ich lasse die Eindrücke des Neo-Renaissance Stils einen Augenblick lang auf mich wirken und drifte kurz in einen Tagtraum ab. Viele kleine Details erinnern an die Anfänge des letzten Jahrhunderts und ich stelle mir vor wie einst große Lokomotiven abdampften und ihr Pfeifsignal zur Abfahrt gaben. Die bunten Leuchtreklamen und die digitale Anzeigentafel holen mich wieder in die Gegenwart zurück. Ich muss schmunzeln: obwohl das Gesamtkonstrukt an einen europäischen Bahnhof erinnert, ist es hier doch anders: Weil die Sitzbänke alle belegt sind sitzen in der Haupthalle einige Menschen in Gruppen einfach auf dem Boden und warten auf die Abfahrt ihres Zuges oder ihre ankommenden Freunde und Verwandten. Aber es ist alles sehr sauber und ich geselle mich noch ein paar Minuten dazu um das Erlebnis voll auszukosten und mich mit den Locals etwas auszutauschen. Dann muss ich mich plötzlich doch beeilen, die Abfahrtszeit naht.

An Gleis 10 geht es los. Zugnummer 83. Ich steige in den richtigen Wagen und finde auch gleich meine Kabine. Sie ist schlicht und etwas in die Jahre gekommen, aber sehr sauber. Die Rückenlehne des breiten Sitzes lässt sich zu einem zweiten Bett hochklappen. Und ich habe ein eigenes Waschbecken mit einigen Toilettenartikeln. Während ich mich noch einrichte gleitet der Zug langsam der Hauptstadt davon. Es ist genau 17:05 und ich bin erleichtert. Wir sind nicht nur pünktlich, sondern es ist alles viel bequemer als erwartet. Hier werde ich die nächsten 15 Stunden bis zur Ankunft am nächsten Morgen gut überstehen. Nach einem warmen Abendessen im Speisewagen kehre ich wieder in mein Abteil zurück und verliere mich in den langsam vorbeiziehenden Eindrücken bis es ganz dunkel ist. Wenig später wiegt mich das sanfte Schaukeln des Waggons und das monotone Rattern des Zuges in den Schlaf.

Schweinebauch und Froschköpfe

Als ich kurz vor Sonnenaufgang aufwache färbt sich der Himmel gerade blau. Die Landschaft ist üppig und grün. Das ländlich-idyllische strahlt die selbe Ruhe aus, wie ich sie schon von anderen Teilen Thailands kenne. Ich bin unterwegs auf der Schiene und es macht mich glücklich. Ein wunderbarer Start in den Tag.

Wieder pünktlich, um fünf nach acht, rollt der Zug in den Bahnhof von Trang ein. Mein Magen knurrt schon wieder. In weiser Vorrausicht habe ich meinen ersten Stopp für heute schon  geplant: zum Frühstück gibt es Trang Moo Yang und Dim Sum. Der gegrillte Schweinebauch und die gedämpften Teigtaschen sind lokale Spezialitäten. Das will ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Mit einem besonderen Tuk Tuk – dazu später mehr – bin ich in wenigen Minuten im Restaurant meiner Wahl. Es duftet köstlich und ich bestelle eine bunte Auswahl Dim Sum und den knusprigen Schweinebauch. Ein herrliches Frühstück, wenn es nicht ganz so schwer im Magen liegen würde.

Nach dem Essen muss ich mich also erstmal bewegen. Ich entscheide mich einen Abstecher in die Altstadt zu machen. Sie ist stark von chinesischen und portugiesischen Einflüssen geprägt. Unter anderem gibt es hier eine alte Kirche und einige sehenswerte Tempel. Um schnell herumzukommen schnappe ich mir wieder das bereits erwähnte „Spezial-Tuk Tuk“: In Trang fahren noch Original-Tuk Tuks aus den 1950er Jahren, deren Front und Scheinwerfer an einen Froschkopf mit großen Glubschaugen erinnern. Sehr oft sind die Fahrzeuge sogar froschgrün bemalt. Wenn es nach mir ginge würde ich die lustigen „Froschkopf-Tuk Tuks“ in ganz Thailand fahren lassen. Sie sind einfach zu lustig und das Sightseeing macht auf diese Art besonders viel Spaß.

Eine Insel für jeden Tag

Nach den Eindrücken der Altstadt und meinem Rendezvous mit den süßen Frosch-Tuk Tuks, ist es endlich Zeit meinem Hauptziel entgegen zu steuern: die Küste der Andamanensee. Am besten geht das mit dem Bus. Doch die Destinationen sind vielfältig und ich habe mir lange Zeit den Kopf darüber zerbrochen wo ich anfangen soll. Am Ende entschied ich mich zuerst für die Insel Koh Mook. Im klimatisierten Minibus vergeht die Fahrt von knapp einer Stunde wie im Fluge. Dann geht es noch kurz weiter mit dem Boot, direkt auf die Insel. Nach einer halben Stunde über das türkisblaue Meer, berühren meine Füße dann endlich den feinen weißen Strand. Ich lasse mich einfach in den warmen, weichen Sand fallen und schließe für ein paar Minuten die Augen. Mit der getankten Gelassenheit spaziere ich durch das kleine Dorf Ban Koh Mook und genieße ein leckeres Mittagessen in einem der wenigen Straßenrestaurants. Die Einheimischen sind super freundlich und offenherzig. Der Restaurantbesitzer fragt, ob ich schon von der Smaragdhöhle gehört habe und ich werde ganz hellhörig. Der Eingang, der auch als „Morakot Cave“ bekannten Höhle, ist nur vom Meer aus erreichbar, erzählt er. Man müsse durch die Höhle schwimmen und käme dann in eine kleine verschlossene Bucht, die früher als Piratenversteck diente. Das klingt spannend und ich mache mich sofort auf den Weg.

Am kleinen Hafen habe ich schnell ein Langboot gefunden was mich zur Höhle bringt. Als wir die Höhle erreichen bekomme ich eine Schwimmweste, die ich mir zaghaft überstreife. Naja, Sicherheit geht vor denke ich mir. Dann hüpfe ich sorglos ins Wasser und schwimme auf die dunkle Öffnung im Fels zu. Ein paar Minuten lang wird es etwas unheimlich. Aber ich werde zum Glück von einem Einheimischen begleitet, der eine wasserfeste Taschenlampe dabei hat. Und kurz darauf sehen wir schon wieder Licht.  Vor mir öffnet sich die winzige Bucht mit Strand. Sie ist von steilen Wänden umsäumt und an allen Seiten üppig bewachsen. Die einzigen Aus- und Eingänge sind die Höhle durch die ich gerade geschwommen bin und der Weg nach oben – also, wenn ich fliegen könnte. Ich kann mir sehr gut vorstellen wie sich hier die Piraten richtig wohl gefühlt haben.

Ich lege mich wieder am kleinen Strand auf den Rücken und stelle mir vor, was es wohl noch auf den anderen 45 Inseln der Region zu entdecken gibt. Ich fühle mich frei wie ein Pirat und sie liegen mir alle zu Füßen. Denn nach Ko Kradan oder Ko Nagai, den zwei nächstgelegenen Inseln, ist es nur ein weiterer kleiner Sprung mit dem Langboot. Eins steht fest: Trang, hier werde ich noch ein bisschen bleiben müssen.

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