Nan - Reise durch die Zeit

Nan - Reise durch die Zeit

Hoch oben in Thailands Norden befindet sich die idyllische Provinz Nan. Ein ehemaliges Fürstentum, das Reisenden sowohl unberührte Natur als auch eine reiche und vielfältige Kultur bietet. Noch heute ist hier der Einfluss ehemaliger Königreiche spürbar. Daneben warten regenwaldbedeckte Berge, Kalksteinhöhlen und abgeschiedene Bergdörfer auf Entdecker.

Gold und rosa leuchtet der Himmel vor mir. Fast ist es so, als würde die neun Meter hohe Buddha Statue selbst dieser Kulisse ihren Glanz verleihen. Aber es ist die aufgehende Sonne, die über das Tal emporsteigt. Am Fuß des kleinen Hügels, auf dem ich stehe, liegt die kleine Provinzhauptstadt Nan am gleichnamigen Fluss. Sie versprüht, selbst von hier oben sichtbar, einen ursprünglichen Charme, der an längst vergangene Zeiten erinnert.

Aus der behaglich anmutenden Altstadt bin ich gegen halb fünf Uhr morgens aufgebrochen. Die etwa fünf Kilometer waren in der kühlen Morgenluft leicht bewältigt. Auch der Höhenunterschied ist vernachlässigbar: insgesamt waren es nur etwa 100 Meter. Wie die Tempel unten im Dorf beeindruckt auch diese Anlage, „Phra That Khao Noi“. Es scheint manchmal so, als wäre die Zeit in Nan ganz stehen geblieben. Von hier oben verstehe ich warum: Die Provinz Nan ist durchzogen von hohen Bergketten. Sie trennten diese Region und ihre Hauptstadt einst über Jahrhunderte von den umliegenden Provinzen.

Von den Bergdörfern in der Ferne steigen dünne Rauchsäulen der morgendlichen Kochstellen in den leuchtenden Himmel. So muss es schon seit tausenden von Jahren aussehen, als noch einzelne Königreiche wie Sukhothai, Lanna und Burma sich das Land im Norden Thailands teilten. All das kann ich in den nächsten Tagen entdecken – dichte Bergregenwälder, Kalksteinhöhlen und abgeschiedene Bergdörfer warten auf mich. Das meiste werde ich zu Fuß erkunden.

Unberührtes Naturparadies

Mein erster Stopp ist der Doi Pukha Nationalpark mit seinen 2.000 Meter hohen Gebirgszügen. Er ist ein Muss für Naturliebhaber wie mich und beherbergt Besonderheiten wie Kalksteinfelsen, Wasserfälle und Höhlen, sowie eine Vielzahl an Säugetieren und Pflanzenarten. Als wir nach knapp zwei Stunden mit dem Auto die Berge erreichen, merke ich das sofort: Es ist Februar und die rosa Blüten der seltenen Baumart Chomphu Phu Kha, schaffen eine ganz besondere Atmosphäre und verwandeln die Landschaft nun in ein wahres Blumenparadies.

Nach der Ankunft bin ich drei Tage lang unterwegs. Wir übernachten in Zelten und in gemütlichen Berghütten. Wir starten früh morgens und jedes Mal liegt der dichte Nebelteppich in den Tälern. Entlang der Wanderpfade treffen wir immer wieder auf versteckte Dörfer indigener Völker. Ich staune über die Farbenpracht ihrer traditionellen Gewänder und all diese Eindrücke lassen mich die Fantasie eines vergessenen Reichs, am Rande der Welt, noch intensiver erleben.

Am dritten Tag erreichen wir unser Ziel Boklua. Der Bezirk ist bekannt für sein „Bergsalz“. Wir können den Einheimischen bei der Gewinnung des Minerals zusehen und mehr über das besondere Salz lernen. Die Methoden sind noch sehr ursprünglich und haben sich seit der Zeit, als Nan ein bedeutendes Zentrum des Salzhandels war, kaum verändert. Ein tiefer, mit Holz verkleideter Schacht, Körbe aus Palmblättern, mit denen das Mineral hinaufbefördert wird und große Salzpfannen über Kochstellen aus Erde. Später probiere ich eine lokale Speise, die nun umso besser schmeckt, weil ich weiß mit wie viel Herzblut das Gewürz gewonnen wurde.

Vor meiner Rückreise nach Nan habe ich mir noch einen ungewöhnlichen Zwischenstopp ausgesucht: fünf Tage lang werde ich mit einer White Water Rafting Expedition den Fluss Wa im Mae Charim Nationalpark hinabfahren. Kurz vor seiner Mündung in den Nan soll es am abenteuerlichsten werden. Ich freue mich darauf, die Natur entlang des Flusses noch intensiver erleben zu können, nachts an seinen Ufern zu Zelten und jeden Abend leckeres Thaifood am Lagerfeuer zu genießen. Erst am Ende wird der Nan mich wieder in die Gegenwart zurückspülen. Meine Reise in die Vergangenheit und wieder zurück ist nun vollkommen.

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