Nase an Rüssel: Ethische Elefantenbegegnungen in Thailand

Nase an Rüssel: Ethische Elefantenbegegnungen in Thailand

Hanna Bossmann
21.11.2019 von Hanna Bossmann in

Wenn ich an Thailand denke, kommen mir sofort Elefanten in den Sinn. Seit ich als Kind die Elefanten-Parade im Dschungelbuch gesehen habe, war es mein Traum, den Dickhäutern in echt zu begegnen. Doch immer wieder tauchen Fotos oder Berichte von vermeintlichen Schutzzentren auf, die mich ziemlich verunsichert haben. Auf der Suche nach echten, und vor allem tierlieben Zentren, bin ich durch Thailand gereist – und mein Traum wurde wahr!

Der erste Stopp führt mich in den Norden des Landes und hier in der Nähe von Chiang Mai liegt der Elephant Nature Park, einer der bekanntesten ethisch geführten Elefantenparks Thailands. Gegründet wurde er schon 1990 von Sangduen Chailert, genannt Lek, die heute als Pionierin in dem Bereich angesehen wird. Was ich zunächst etwas schade finde: Hier sind nur wenige Interaktionen mit den Elefanten erlaubt. Ein Mitarbeiter erklärt mir aber, dass die Tiere sich nur so ganz natürlich verhalten können. Das leuchtet ein – und schnell merke ich, wie spannend es ist, die Elefanten einfach bei ihrem Treiben zu beobachten. Am liebsten würde ich gar nicht mehr weg!

Größter Luxus: Beobachten

Während sich einige Elefanten wegen der Hitze im Schatten ausruhen, spielen andere miteinander. Bemerkenswert wie man tatsächlich schon nach kurzer Zeit ganz eigene Persönlichkeiten bemerken kann! Einige der Elefanten sind sehr sozial und verspielt, andere eher Einzelgänger. „Bei manchen Elefanten haben sich richtig dicke Freundschaften entwickelt und sie verbringen viel Zeit zusammen, während sich andere gar nicht leiden können,“ erzählt mir dann auch einer der Mitarbeiter. Wie bei uns Menschen also! Während ich den Tieren dabei zuschaue, wie sie einfach nur sie selbst sind und genau das tun, worauf sie gerade Lust haben, wird mir klar, dass das der größte Luxus ist: Ich brauche kein Elefantenreiten, keine Fußballshows oder Yoga auf dem Elefantenrücken – den Tieren zuzusehen ist mehr als genug und einfach wunderschön.

Das natürliche Verhalten der Tiere soll so wenig wie möglich gestört werden, deswegen darf im Elephant Nature Park inzwischen auch nicht mehr mit den Tieren gebadet werden. Ein Mitarbeiter des Zentrums erklärt mir, dass Elefanten sehr emphatische Wesen sind und deswegen ihr Verhalten anpassen. Beim gemeinsamen Baden sind sie dann sehr vorsichtig und versuchen die Menschen nicht zu verletzen. Das ist lieb von ihnen, aber kein natürliches Verhalten. Deshalb schaue ich den Dickhäutern einfach beim Baden zu – und hier wird ordentlich geplanscht und gespritzt!

Schlafen, Essen, Spielen – ein Tag im Leben eines Elefanten

Von Chiang Mai geht es in Thailands Süden auf die Insel Koh Samui. Hier wurde mir das Samui Elephant Sanctuary empfohlen, das erst letztes Jahr eröffnet hat. Gründer Wittaya Sala-Ngam lernte von Pionierin Lek die Möglichkeiten kennen, wie ein Schutzzentrum ohne Ketten und mit ethischem Ansatz funktionieren kann und hat das Sanctuary mit diesem Wissen aufgebaut. Heute leben im Samui Elephant Sanctuary schon 14 Elefanten, die zuvor im Zirkus oder als Reittiere für Touristen und bei Holzfällarbeiten eingesetzt wurden. Sie alle haben ein anstrengendes Arbeitsleben hinter sich und können hier wohl zum ersten Mal entspannen. Das natürliche Leben der Tiere besteht im Grunde so aus genau drei Aktivitäten: Schlafen, Essen, Spielen – und dabei kann ich ihnen zuschauen.

Etwas aufgeregt treffe ich auf Mae Kham Pang, eine Elefantendame, die 1963 in der Provinz Chiang Mai geboren ist. Über fünf Jahrzehnte hat sie Touristen an verschiedenen Standorten Berge hinauf und wieder heruntergetragen! Dabei hat sie nicht nur körperliche, sondern auch seelische Verletzungen davongetragen. Im Juli 2018 hörte das Team des Samui Elephant Sanctuary von ihrem Schicksal und verhandelte mit dem Besitzer über die Freilassung. Die Mitarbeiter im Zentrum gehen davon aus, dass Mae Kham Pang oft nicht genug zu essen hatte – und so freue ich mich besonders, dass ich sie mit Obst füttern darf – und sie sich anscheinend auch, denn sie langt ordentlich zu.

„No food, no friends“

Das Füttern ist übrigens eine der Aktivitäten, die hier gemeinsam mit den Elefanten möglich – und sogar erwünscht – sind. „No food, no friends“ lautet die inoffizielle Regel dazu. Zuerst bin ich noch etwas zögerlich, immerhin sind die Tiere aus der Nähe wirklich sehr groß! Aber als ich merke, wie rücksichtsvoll und vorsichtig die Elefanten das Obst mit dem Rüssel aus meiner Hand nehmen, verfliegt meine Unsicherheit. An das Gefühl, die beeindruckenden, lieben Tiere zu füttern werde ich mich noch lange erinnern. Zu den Aktivitäten im Samui Elephant Sanctuary gehören übrigens auch gemeinsame Spaziergänge. Neben dem Füttern ist mein absolutes Highlight allerdings, als sich einige der Elefanten im Schlamm wälzen – das sieht nach so viel Spaß aus!

Die großen, aber doch ganz sanftmütigen Tiere so zu erleben und zu sehen, wie sie leben, gemeinsam spielen, Baden und sich über jede Menge Obst freuen, beeindruckt mich sehr. Die Mitarbeiter erzählen von der Vergangenheit der Tiere und zeigen mir auch die körperlichen Verletzungen, die die Elefanten für immer mit sich tragen werden. Einige sind auf einem Auge blind, Mae Kham Pang hat Probleme an den Füßen und bei einer anderen Elefantendame sind Verletzungen am Ohr erkennbar. Die Geschichten machen mich traurig, gleichzeitig bin ich aber auch dankbar, dass es Orte wie das Schutzzentrum auf Koh Samui oder das in Chiang Mai gibt, in denen die Elefanten in Ruhe und ohne Ketten glücklich leben können.

Einen letzten Tipp möchte ich euch nicht vorenthalten: Zwar kein Elefantenschutzzentrum im eigentlichen Sinne, aber dennoch einen Besuch wert, ist das erste Elefantenkrankenhaus der Welt, das FAE Elephant Hospital in Lampang. Ein Krankenhaus nur für Elefanten? Wenn ihr mehr darüber und über die Gründerin und Pionierin Soraida erfahren wollt, schaut auf dem Green Travel Blog vorbei.

(c) Bilder: elephantnaturepark; Samui Elephant Sanctuary

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